Cannabis Genossenschaften: Gegenpol zum Legalisierungskapitalismus

Die Re-Legalisierung von Cannabis ist in aller Munde (zumindest der Interessierten) und vermutlich stellt sich jeder eine eigene Version einer legalisierten Hanfkultur vor.

Egal ob man Hanfaktivist oder Sympathisant ist, egal ob man in einer lokalen Gruppe ist oder bei der Hanfpartei – die derzeitigen Legalisierungen sind für all jene Länder, die noch nicht legalisiert haben, lehrreiche und zum Teil auch mahnende Beispiele.

Wenn man auf den nordamerikanischen Kontinent blickt, wird einem schnell klar, dass das große Geld der stark wachsenden Cannabis-Konzerne nicht unbedingt ein Segen ist: Mitbewerber mit weniger Kapitalkraft werden zur Seite gedrückt oder einfach übernommen, die Margen sinken. So mancher Cannabis-Bauer in den USA / Kanada ist derzeit sicher nicht glücklich über den Preisverfall, der aufgrund von aggressiven Investitionsstrategien des großen Geldes zu Überinvestitionen und Verdrängungswettbewerb geführt hat.

Zudem bedrohen diese Großunternehmen die Sortenvielfalt – ein besonderer Verdienst zahlreicher kleinerer Samenzüchter – die aus einigen wenigen Grundtypen und Landrassen buchstäblich tausende heute erhältlicher Cannabis-Sorten im Laufe der Zeit gezüchtet haben; zum Teil Pflanzen in einer Qualität und Potenz mit zum Teil sehr verschiedenen ausgeprägten Wirkungen, die vor wenigen Jahrzehnten noch ein ferner Wunschtraum der Grower waren.

Gewiß wird es der Cannabisindustrie des großen Geldes gelingen, einige neue Sorten zu züchten – allerdings wird diese Industrie alles daransetzen, „ihre“ Samen rechtlich zu schützen. Man denke z. B. an Saatguthersteller wie Monsanto, die ihre Abnehmer diplomatisch ausgedrückt rechtlich betrachtet stark benachteiligen.

Als Hanfproduzent oder als Hanfkonsument (sei es zur Entspannung oder aus medizinischen Gründen) kann man eine solche Art der Kommerzialisierung nicht wollen. Zudem saugen letztendlich die großen Konzerne die gesamte Wertschöpfung ab und werden unweigerlich Automatisierung und Rationalisierung beim Anbau vorantreiben – so daß weniger Arbeitsplätze entstehen und längerfristig sehr wahrscheinlich sogar abgebaut werden.

Das Konzept der Cannabis Genossenschaften

Natürlich haben wir uns bei der Hanfpartei zum Thema Hanf und Re-Legalisierung viele Gedanken gemacht – die Erkenntnis war, immer wieder Wege und Lösungen zu suchen, die dieser Marktkonzentration einen Riegel vorschieben. Der effektivste Weg gegen solche Monopolisierungsprozesse ist ein geregelter Markt, der einen Teil der Wertschöpfung den Bürgern in die Hand gibt: Über den Weg regionaler/kommunaler „Cannabis Genossenschaften“ – sogenannte „CG´s“.

Die CG sind ein wenig beachteter, jedoch immens wichtiger Punkt des Cannabisprogramms der Hanfpartei, denn sie bringen eine Reihe von Vorteilen für jene mit sich, die Cannabis züchten, genießen oder als Medizin wollen bzw. brauchen.

  • Regionale/Kommunale CG sind Schnittstelle, Forum und Marktplatz für Angebot und Nachfrage bei THC-haltigem Hanf. Sie sollen dezentral und eigenständig funktionieren und nicht Teil oder Filiale einer übergeordeten Organisation oder Firma sein. Es wird daher eines Tages in Deutschland tausende von eigenständigen Cannabis-Genossenschaften geben.
  • CG können von jedem Bürger gegründet werden, es sollten mindestens 3, besser jedoch 5 Personen sein um eine Genossenschaft gründen zu können. Davon unbenommen kann jeder auch zuhause anbauen, wobei die Kostenvorteile wohl so Manchen davon abhalten noch in teure Technik und Anlagen zu investieren und seinen ohnehin knappen Wohnraum zu verknappen. Eine Professionalisierung ist durch CG besser machbar.
  • CG stehen für Vielfalt und Individualität, denn dort können sich Grower spezialisieren, bestehende und bewährte Sorten nach Bedarf modifizieren und neue Strains züchten (vorzugsweise in Gewächshäusern), die besser an unser Klima angepasst sind und/oder differenzierte Wirkstoffprofile aufweisen.
  • CG sind sind aber auch Ladenlokale, in denen Erwachsene nach Belieben beste Hanfblüten einkaufen und auch konsumieren können.
  • CG sind eine Begegnungsstätte für Gleichgesinnte, sie haben daher auch eine wichtige soziale Funktion – sie bringen die Leute zusammen. In Zeiten der Vereinsamung vieler Menschen ein wirksames Gegenmittel und die Grundlage vieler neuer Freundschaften und Kontakte. Das echte Leben kann sehr viel reizvoller sein als die digitale Welt.
  • CG sind Wertschöpfung für die Bürger, sie dienen dem professionellen Anbau von THC-haltigem Hanf – nur dort können z. B. Pharmafirmen und Apotheken Hanfblüten zur Weiterverarbeitung für Medikamente und/oder Herstellung isolierter Bestandteile einkaufen (Nutzhanf kann von jedem landwirtschaftlichem Betrieb erzeugt werden, ist jedoch nicht Thema dieses Artikels)
  • CG sind Qualitätssicherung: Ungeprüft wird keine Pflanze an den Endverbraucher abgegeben, zudem sind CG beratungspflichtig. Das ist unbedingt notwendig, da nicht wenige moderne Züchtungen extrem hohe THC-Werte aufweisen und daher auch eine heftige Wirkung zeigen können. Der Genuß von Hanf soll sicher und angenehm sein – und nicht dazu führen dass man mit bleichem Gesicht und Unwohlsein von einem starken Strain überwältigt auf der Couch sitzt oder liegt.
  • CG garantieren moderate, aber auch auskömmliche Preise – die dem Anwender nicht wehtun, der Genossenschaft hingegen ein wirtschaftliches Bestehen sowie weitere Investitionen ermöglichen (Die Gewächshausindustrie z. B. wird davon profitieren)
  • CG schaffen auch Arbeitsplätze, denn THC-Hanf ist arbeitsintensiv. Das weiss jeder, der selbst mal etwas am Start hatte.

Man kann abschließend sagen, dass das Cannabis-Programm der Hanfpartei die Re-Legalisierung sehr liberal – lediglich mit zwei Einschränkungen und einer „Bedingung“ betreibt (Alter über 18 Jahre, Qualitätskontrolle erforderlich, Herstellung/Vertrieb in der CG verortet).

Soweit wir überblicken können, hat niemand sonst ein so weitgehend freiheitliches aber auch effektives Legalisierungsprogramm aufgelegt.

Es macht zum Beispiel wirklich keinen Sinn, die Zahl der Hanfpflanzen zu begrenzen – wie die meisten von uns wissen gibt es Pflanzen die klein bleiben und nur wenige Gramm abwerfen – bis hin zu wahren Ungetümen von drei oder vier Metern Höhe, die bis zu zwei oder drei Kilo bester Hanfblüten produzieren.

Sinnvoll hingegen ist es in jedem Fall, Cannabisfreundliche Strukturen und Infrastrukturen zu schaffen – betrieben von Menschen, die den Hanf lieben und zu Ihrer Weltanschauung gemacht haben.

Herzliche Grüße,
Euer Roland Kahl
Bundesvorsitzender der Hanfpartei